Pflanzen des Grünlandes

 

Der Pflanzenbestand einer Weide hängt weitgehend vom Standort – mit Bodenart, Wasserversorgung und Höhenlage - und von der Nutzungsintensität ab. Da der Boden bei uns ein begrenzender Faktor ist, werden die Weiden in der Regel intensiv genutzt. Dabei bedeutet intensive Nutzung nicht unbedingt einen hohen Düngeraufwand, sondern sie kann auch durch geschickte Weideführung erreicht werden. Die intensive Nutzung muss nicht das biologische Gleichgewicht der Weide zerstören. Voraussetzung für eine optimale Weideleistung ist die richtige Auswahl der Weidegräser, bzw. der Weidemischung für den jeweiligen Standort und die geplante Nutzungsintensität.

Der Futterwert der Grünlandpflanzen wird ausgedrückt in der Futterwertzahl. Sie geht von –1 (Giftpflanzen) über 0 (kein Futterwert) bis +8 (höchster Futterwert).

Das Grünland besteht aus Pflanzengesellschaften, in diesen Gesellschaften finden wir Gräser, Schmetterlingsblütler (Leguminosen) und erwünschte bzw. unerwünschte Kräuter.


 

 

Gräser

Bei den Gräsern wird unterschieden zwischen Süßgräsern und Sauergräsern. Für die Weide spielen in erster Linie die Süßgräser eine Rolle. Sie werden unterteilt

a) nach der Lebensdauer – einjährige, zweijährige, ausdauernde Gräser. Die ein- und zweijährigen werden für den Ackerfutterbau eingesetzt, für das Dauergrünland haben die ausdauernden Gräser Bedeutung.
b) nach Wuchsform in Ober- und Untergräser:
Auf Wiesen (ausschließliche Mähnutzung) spielen vor allem die Obergräser eine Rolle. Sie unterdrücken die Untergräser. Nach dem Mähen ist deutlich die lückenhafte Grasnarbe einer Wiese zu erkennen.
Auf Weiden herrschen die Untergräser vor, da sie sich bei ständiger Beweidung besser behaupten können.
c) nach der Bestockungsform, z.B. horstbildende oder ausläufertreibende Gräser.

 

Eines der wichtigsten Weidegräser ist das deutsche Weidelgras. Es ist ein ausdauerndes, horstbildendes und trittfestes Untergras mit der Futterwertzahl 8. Bei häufiger Nutzung durch Abweiden oder Mähen wird das Wachstum von Weidelgras angeregt.
Eine Weidesaatmischung sollte mindestens drei Weidelgrassorten mit den unterschiedlichen Reifegruppen – früh, mittel, spät – enthalten. Weidelgras bevorzugt nährstoffreiche Standorte mit geregelter Wasserversorgung. In Höhenlagen, Trockengebieten und auf Moorböden findet das Weidelgras seine Grenzen.

Auf anmoorigen Böden muss darauf geachtet werden, dass hinter der Sorte ein M steht, dies bedeutet geeignet für Moorstandorte.

Schwingel

Ein ausdauerndes, horstbildendes und blattreiches Obergras ist der Wiesenschwingel (Futterwertzahl 8). Günstige Standorte für den Wiesenschwingel sind frische, feuchte und nährstoffreiche Wiesen und Weiden. Nach Schnitt oder Beweidung wächst der Wiesenschwingel schnell nach, er verträgt aber nur bis zu drei Nutzungen im Jahr, daher wird er bei intensiver Weideführung verdrängt (wie aus den Empfehlungen für Standardmischungen ersichtlich).

Schwingel

Wiesenlieschgras zählt ebenfalls zu den wertvollen Weidegräsern (Futterwertzahl 8). Es ist ein ausdauerndes, spätblühendes und stark horstbildendes Obergras. Lieschgras ist für die Mäh- und Weidenutzung gleich gut geeignet. Wichtig für das Wiesenlieschgras ist eine gute Nährstoffversorgung der Böden und ausreichende Wasserversorgung. Da es sehr frostresistent ist, kann es auch in rauem Klima gut eingesetzt werden.

 

 

Ein für vorwiegend trockene Böden gut geeignetes winterhartes Gras ist die Wiesenrispe (Futterwertzahl 8). Sie wächst auf Weiden und Wiesen und bildet eine dichte Grasnarbe.


 

 

Zu den weniger gern gefressenen Weidegräsern zählt der Wiesenfuchsschwanz (Futterwertzahl 7). Er ist ein früh austreibendes Obergras und wächst besonders auf feuchten Wiesen. Eine gute Futterqualität ist nur bei jungem Gras gegeben, nach der Blüte sinkt der Futterwert schnell ab.


Schwingel

Das Knaulgras (Futterwertzahl 7) gehört zu den ertragreichen ausdauernden stark horstbildendes Obergräsern. Es stellt keine großen Ansprüche an den Standort, meidet aber stauende Nässe. Knaulgras blüht früh, ist blattreich und stängelarm. Da es leicht verholzt, ist es nur für einen frühen Schnitt geeignet. Andere Gräser werden durch Knaulgras leicht  verdrängt. In den meisten Weideansaatmischungen ist Knaulgras daher nicht enthalten.


 

 

Der Rotschwingel ist gut geeignet für Weiden, die stark im Tritt beansprucht werden. Es gibt hier die ausläufertreibende und die horstbildende Form, auf Dauergrünland ist die ausläufertreibende vorzuziehen (Futterwertzahl 5). Bei einer Neuansaat sollte Rotschwingel mit eingemischt werden, um eine schnelle Narbendichte zu erzielen. Er füllt die Lücken aus und verhindert somit eine Verunkrautung. Bei intensiverer Nutzung wird der Rotschwingel durch die anderen Gräser verdrängt. Sehr gut geeignet ist der Rotschwingel auf sehr stark beanspruchten Weiden bzw. Ausläufen.


Ein Gras, das auf dem Acker als Unkraut gilt und auch im Grünland nur in begrenztem Umfang geduldet wird, ist die Quecke. Sie ist sehr ausdauernd und bildet lange unterirdische Ausläufer. Bevorzugter Standort sind intensiv gedüngte Weiden. In jungem Zustand wird die Quecke gefressen (Futterwertzahl 6), später wird sie hart und die Pferde  lassen sie stehen. Quecke wird häufig mit Weidelgras verwechselt, kann aber eindeutig unterschieden werden. Beim Weidelgras liegt die Ähre mit der Schmalseite an der Spindel an, bei der Quecke mit der Breitseite (als Hilfe: bei der Quecke steht die Ähre quer).

 

Quecke links und Deutsches Weidelgras rechts.

 

Ein Lückenfüller auf Weiden ist die jährige Rispe. Sie bildet einen kleinen niedrigen Horst und hat damit einen geringen Ertrag.

 

 

 

Von den Pferden ungern gefressen und daher auf der Weide nicht erwünscht sind: Flaumhafer, Kammgras, Rohrschwingel, Ruchgras, aufrechte und weiche Trespe und wolliges Honiggras. Meist gemieden werden: Pfeifengras, Borstgras und Binsengras.
Vollkommen gemieden wird die Rasenschmiele mit ihren scharfen, schneidenden und harten Blättern. Sie gilt als besonders lästiges Ungras auf nährstoffreichen Böden, wie z.B. Marschen.


 

 

Schmetterlingsblütler (Leguminosen)

Zu den Leguminosen zählen die Kleearten und die kleeartigen Pflanzen. Am stärksten ist der Weißklee vertreten, erwünscht sind aber auch der Wiesenrotklee und Gelbklee. Sie können mit Hilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Bodenluft aufnehmen und in Pflanzeneiweiß umwandeln. Sie brauchen daher kaum zusätzlichen Stickstoff. Die Kleearten sind in der Regel wesentlich eiweißreicher als die Gräser. Daher ist ein gewisser Anteil gerade auf Weiden für Stuten mit Fohlen durchaus erwünscht. Die meisten Kleearten (ausgenommen Weißklee) vertragen Verbiß und frühen Schnitt schlecht. Der Weißklee mag keinen Schatten, er verschwindet daher bei einem hohen Anteil von Obergräsern.
Für Wiesen und Weiden gibt es Ansaatmischungen mit und ohne Klee. Für Pferdeweiden ist zu empfehlen, die Mischungen ohne Klee einzusetzen. Kleesamen kann im Boden lange überdauern, daher kommt er in Lücken und bei starker Nutzung automatisch durch.


 

Spitzwegerich

Schafgarbe

Kräuter

Erwünschte Kräuter sind: Kümmel, Wiesensalbei, Scharfgarbe, Spitzwegerich.


Unerwünschte und giftige Kräuter: Herbstzeitlose, Sumpfschachtelhalm, scharfer Hahnenfuß.

Ungern gefressen werden Gänsefingerkraut und Disteln. In größeren Mengen unerwünscht ist der Löwenzahn, da er nur geringe Erträge bringt und die Trocknung bei der Heugewinnung verzögert.