IFP-Lengwenat
 
 

Neues aus der Pferdefütterung

Was der Futtermeister wissen sollte!

Neue Forschungsergebnisse in der Pferdefütterung führen dazu, dass die bisherigen Bedarfswerte neu festgelegt wurden. Diese neuen Bedarfswerte wurden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (GfE) im November 2014 veröffentlicht, und stehen damit allen an der Pferdefütterung Interessierten zur Verfügung. Die wesentlichen Neuerungen werden nachfolgend erläutert.

 

Die Lebendmasse ist als Fütterungsgrundlage zu ungenau.

Es ist aus der Lebenserfahrung unmittelbar einsichtig, dass ein großes Pferd mehr Futter benötigt als ein Kleines. Bislang wurde der Nährstoffbedarf eines Pferdes ausschließlich an der Lebendmasse (LM) in [kg] festgemacht, also dem, was man mit einer Waage leicht messen kann. Der Bedarfswert nach einem Nährstoff, z. B. Rohprotein, wurde bisher in Bedarfs-Tabellen für ein Kilogramm Lebendgewicht [/kg LM] angegeben. Der Bedarf eines Pferdes nach diesem Nährstoff wurde dann errechnet aus Lebendmasse multipliziert mit dem Bedarfswert.

Damit hat ein doppelt so schweres Pferd einen doppelt so hohen Bedarfswert und die Forderung aus dem ersten Satz oben war erst einmal erfüllt, aber die Bedarfswerte waren immer linear proportional zum Lebendgewicht, d.h. wenn man eine Graphik von Bedarfswert und Lebendgewicht gezeichnet hätte, wäre immer eine gerade Linie herausgekommen.

Nun ändern sich aber die Körpergröße und -zusammensetzung mit dem Alter. Ein junges Fohlen hat viel Muskeln, wenig Fett und auch das Knochen-Skelett ist noch dünn. Je älter ein Pferd wird, desto mehr wird auch im Muskelfleisch Fett eingelagert. Diese Veränderungen mit zunehmendem Alter und Gewicht legen nahe, dass man statt einer "Geraden" eine "Kurve" für die Bedarfswerte benötigt.

Es sind auch nicht alle Körperbestandteile gleichmäßig in den Stoffwechsel einbezogen, z. B. werden die Knochen nur relativ langsam umgebaut, vor allem aber nehmen die Fettpolster als Energiespeicher nicht mehr aktiv am Stoffwechsel teil, solange diese Reserven vom Körper nicht gebraucht werden. Der Inhalt des Verdauungstraktes liegt zwar auch innerhalb des Pferdes und ist beim Wiegen im Lebendgewicht enthalten, gehört jedoch nicht zum Körper und damit auch nicht zum Stoffwechsel des Körpers, sondern liegt als Nahrungsvorrat bereit und wird auch von anderen Darmbewohnern für deren Stoffwechsel verwendet. Erst wenn die Nährstoffe die Darmwand passiert haben, sind sie im Körper des Pferdes angekommen und können an dessen Stoffwechsel teilnehmen. Je höher der Anteil der genannten Komponenten am Lebendgewicht ist, desto weniger Energie braucht das Pferd.

 

 

 

Lebendmasse MKG
100 kg => 32 kg
200 kg=> 53 kg
300 kg => 72 kg
400 kg => 89 kg
500 kg => 106 kg
600 kg => 121 kg

 

Die metabolische Körpergröße (MKG)

ist das neue Maß welches den aktiv im Stoffwechsel (= lat. Metabolismus) bestehenden Teil des Pferdekörpers beschreibt. Diese neue metabolische Körpergröße (MKG) wird aber auch in [kg] angegeben und direkt aus dem Lebendgewicht [LM] abgeleitet sind aber zahlenmäßig kleiner. Die obere Tabelle links gibt die jeweiligen Werte an.

Man sieht deutlich, dass die MKG zahlenmäßig deutlich kleiner ist als die Lebendmasse und das bedeutet, dass die neuen Bedarfswerte nun zahlenmäßig deutlich höher sein müssen, als die alten Werten, denn das Pferd selbst hat sich ja grundsätzlich nicht verändert. Verändert hat sich nur unsere Art der Beschreibung des Nährstoffbedarfes des Pferdes.

Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie in der Graphik links auch sehen, dass die grüne Kurve unten vor allem links (während der Wachstumsphase) leicht nach oben gebogen ist. Darauf kommt es an: Die Bedarfswerte sind nicht mehr linear zur Lebendmasse!

Wichtig ist es, sich klar zu machen, dass die Differenz zwischen LM und MKG nicht so zu verstehen ist, es handele sich dabei um Fett, Knochen und Darminhalt in [kg]. Ein 600 kg Pferd besteht natürlich nicht aus 600[kgLM]-121[kgMKG] = 479[kg] Fett, Knochen und Darminhalt!

Trotz der gleichen Dimension in [kg] ist die MKG nur ein zahlenmäßiges Maß für den in den Stoffwechsel einbezogenen Teil des Pferdekörpers!

 

 

Neue Energiebewertung

Eine wichtige Änderung ergibt sich aus der neuen Energiebewertung, diese wird jetzt als Umsetzbare oder Metabolischen Energie (ME) bezeichnet. Sie wird, wie die bisherige verdauliche Energie (VE), in Megajoule (MJ) gemessen und auch als Inhaltsstoff von Futtermitteln in dieser Einheit angegeben.

 

 

 

Tab. 1 Schema der Energieverluste

Was hat es mit der neuen Energieeinheit auf sich?

Früher wurde mit der "verdaulichen" Energie (VE) nur betrachtet, was an Bruttoenergie aus den Futtermitteln vom Pferd aufgenommen und über den Kot wieder abgegeben wurde. Es wurde damit angenommen, dass die Differenz zwischen dem, was vorn an Energie in das Pferd hineinkam und hinten wieder rauskam, ja dann wohl verdaut worden ist. Man konnte das mit chemischen Analysen recht gut und vor allem einfach messen. Deshalb war die verdauliche Energie lange Zeit als Maßeinheit so beliebt.

Soweit so gut - man hat aber schon seit längerem bemerkt, das ein Pferd auch noch Energie in anderer Form abgibt: Erstens durch den Harn, aber vor allem auch durch Gase, insbesondere durch die erheblichen Mengen an Methan, die bei der Verdauung entstehen, aber dem eigentlichen Stoffwechsel des Pferdes nicht zur Verfügung stehen. Man hat das aber einfach ignoriert.

Zwar sind Pferdeäpfel leicht zusammenzukehren, aber es ist relativ aufwendig die flüssigen und erst recht die gasförmigen Ausscheidungsprodukte vollständig aufzufangen und deren Energiegehalt genau zu bestimmen. Genau das haben die Forscher der Pferdeernährung in den letzten Jahren in aufwendigen Versuchen und Analysen gemacht. Sie können uns heute genau angeben, wieviel Energie aus einem Futtermittel im Organismus des Pferdes - also durch die Darmwand hindurch - als ME tatsächlich ankommt.



 

 

Wenn wir nun die "alte" Energie (DE) mit der "neuen" Energie (ME) vergleichen, so stellen wir fest, dass im Futter weniger neue Energie enthalten ist. Die Futtermittel an sich sind nicht schlechter geworden, sondern die Bewertung des Energiegehaltes für das Pferd ist anders! Jetzt wird zusätzlich noch genauer hingeschaut, inwieweit ein bestimmtes Futtermittel z.B. zur Gasproduktion beiträgt. Ein Futtermittel, das mehr zur Gasproduktion beiträgt, wird stärker abgewertet!

Futtermittel DE ME
pro kg Trockenmasse   [MJ/kg] [MJ/kg]
Grobfutter Heu überständig 6,3 5,2
  Heu Ende Blüte 6,9 5,5
  Heu Mitte Blüte 7,4 6,0
  Heu im Ährenschieben 7,9 6,5
Getreide Hafer 12,1 11
  Gerste 12,6 11,6
  Mais 13,7 12,8
Eiweißfutter Sojaextr. Schrot 12,4 8,7
  Erbsen 12,3 10,4
  Magermilchpulver 13,8 11,0
  Rapsextr. Schrot 11,0 7,9

Man sieht klar, das die Wirkung von Futtermittel zu Futtermittel unterschiedlich ist. Besonders groß ist der Unterschied bei eiweißreichen Futtermitteln, da hier für eine Umwandlung ungünstiger Eiweisse oder deren Beseitigung aus dem Stoffwechsel erheblich mehr Energie benötigt wird. Die eiweißreichen Futtermittel werden nicht in erster Linie zur Energieversorgung eingesetzt sondern um den Eiweißaufbau durch eine besser angepaßte Proteinqualität zu erleichtern (siehe Proteine).

 

 

Der neue Energiebedarf

Weitere Änderungen hat es auch auf der Bedarfsseite gegeben. Nur zur Erinnerung: Der Bedarf eines Pferdes an Energie (oder allgemein an einem Nährstoff) ist z.B. bei der "Erhaltung" dann gegeben, wenn genau die für den "Erhaltungs"-Stoffwechsel benötigte Energie mit den Futtermitteln zugeführt wird. Es kommt zu keinen Veränderungen in den "Energiespeichern", also zum Auf- oder Abbau von Fettpolstern, die ja bekanntlich die wichtigsten Energiespeicher sind.

Wie oben schon grundsätzlich für alle Nährstoffe dargestellt, wird mit dem neuen Bedarfssystem auch eine 'Energiekorrektur' mit der metabolischen Körpergröße (MKG) eingeführt, als ein Maß, welches den aktiv am Stoffwechsel teilnehmenden Teil des Gesamtkörpers beschreibt.

 

 

Anpassungen des Energiebedarfs

Weiterhin wird der neue Erhaltungsbedarf auch die Rasse, Haltungs- und Umwelteinflüsse angepaßt.

Die Bedarfswerte liegen zwischen 0,34 und 0,74 [MJ/kg MKG]

  [MJ ME/kg MKG]
Mäßig trainierte Pferde benötigen: 0,52
normalgewichtige Warmblutpferde benötigen: 0,52
Vollblüter benötigen deutlich mehr: 0,64
Ponys benötigen deutlich weniger: 0,4
die übrigen Pferderassen: 0,4

Neu ist auch, dass der Futterzustand des Pferdes bei der Ermittlung des Erhaltungsbedarfs berücksichtigt wird. Mit Hilfe des Body Condition Score (BCS) wird die Fettabdeckung und damit der Anteil des Körperfettes bestimmt.

Pferd A

Pferd B

In einer Rationsberechnung für ein bestimmtes Pferd sollten bei geringen BSC-Werten der Energiebedarf höher und bei hohen BSC Werten niedriger eingestellt werden. Hierzu ein praktisches Beispiel wie groß der Unterschied in der Fütterung sein kann.

Zwei gleich schwere Pferde, das eine (A) fett, nicht trainiert mit einem BCS von 8 und das andere (B) voll durchtrainiert mit einem BCS von 6. Bei beiden Pferden wird nur der Erhaltungsbedarf an Energie in diesem Beispiel ermittelt:

    Pferd A Pferd B
    Faktor Faktor
LM MKG 0,5 0,58
600 kg 121 kg 48,4 MJ ME 70,18 MJ ME
    Ration Ration
  Heu 9 kg 9 kg
  Hafer 0 kg 2 kg

Die Anpassung macht eine Differenz von 2 kg Hafer aus!

Nach der alten Bedarfsbewertung, bei der nur die Lebendmasse (LM) des Pferdes berücksichtigt wurde, würde das Pferd A immer fetter und das Pferd B schlanker bzw. es würde die Leistung nicht mehr erbringen können. Rationsberechnungen, die diese individuelle Energieanpassung ermöglichen, kommen demzufolge zu realitätsnäheren Bedarfsprognosen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Präcäcale Eiweiß-Verdaulichkeit

Der neue Eiweiß-Bedarf

Die Bestimmung der Menge an Rohprotein (XP) in Futtermitteln wird nach wie vor über die sogenannte Weender Analyse ermittelt. Diese Analyse ist chemisch leicht durchzuführen, aber dieser gewonnene Wert sagt leider gar nichts über die Verdaulichkeit dieses Rohproteins für eine bestimmte Tierart aus.

Mit Hilfe von Verdauungsversuchen wurde das für Pferde verdauliche Rohprotein bestimmt. Ebenso wie bisher auch bei der Energie wurde das Rohprotein im Futter minus dem Rohprotein aus dem ausgeschiedenen Kot gemessen und die Differenz verdauliches Rohprotein (dXP, das d steht für engl. 'degistible' = verdaulich) genannt.

Unterstellt man einem Protein, z.B. aus einem Mischfutter mit 120 [g/kg] XP, eine Verdaulichkeit von 80 % so sind darin nur 96 g verdauliches Protein enthalten, 24 g werden mit dem Kot ausgeschieden.

Leider weiß man aber nicht, aus welcher Quelle diese 24 g Protein stammen. Denn: Ein Pferd nimmt Eiweiß zum größten Teil nur über den Dünndarm auf, im nachfolgenden Dickdarm (lat. Caecum) erfolgt eine lebhafte Umwandlung des Nahrungsbreis mit Hilfe von Mikroben. Diese Bakterien wandeln insbesondere die für das Pferd selbst unverdauliche pflanzliche Cellulose in leichter verdauliche energiereiche Stoffe um, die über die Dickdarmwand in den Körper des Pferdes gelangen. Ziel dieser Umwandlung ist es also Energie zu gewinnen. Die Bakterien erzeugen aber ihrerseits auch Eiweiß, weil sie selbst aus Eiweiß bestehen. Werden diese nun mit dem Kot ausgeschieden, so kommt (bakterielles) Eiweiß im Kot an. Die Frage ist jetzt folgende: In welchem Verhältnis kommt dieses Eiweiß im Kot aus dem Futter oder von den Baktieren?

Wenn man nun annimmt, das die 24g ausschließlich von Mikroben erzeugtes Eiweiß wären, dann wäre das Eiweiß aus dem Mischfutter vollständig im Dünndarm verdaut worden und komplett durch die Darmwand in den Stoffwechsel des Pferdes übergegangen! Die Dünndarm-Verdaulichkeit des Eiweißes aus dem Futter hätte dann 100% betragen, diese Dünndarm-Verdaulichkeit für Rohprotein wird pcvXP (precaecal = vor dem Dickdarm) genannt. Die Dünndarm-Verdaulichkeit für Futtereiweiß ist daher häufig höher als es das bisher benutzte verdauliche Rohprotein angegeben hat.

Am Beginn des Dickdarmes kommen demzufolge die schwerer verdaulichen Aminosäuren an. Um diese als NDIXP bezeichneten Aminosäuren mengenmäßig zu erfassen benötigt man Proben aus dem Nahrungsbrei vor dem Dickdarm. Aus der Differenz zu den Inhaltsstoffen des Futters wird die Dünndarm-Verdaulichkeit eines Eiweißes oder einer Aminosäure errechnet. NDIXP bedeutet ungefähr: nicht mit neutralem Wasser lösliches Rohprotein (also Wasser, was chemische weder sauer noch alkalisch ist!).

Je höher der NDIXP-Wert ist, desto geringer ist die Eiweißqualität. Futtermittel, die viel NDIXP enthalten, belasten den Organismus häufig nur. In der Pferdefütterung sind Futtermittel mit einer hohen Eiweißqualität bzw. mit einer hohen Dünndarmverdaulichkeit der Aminosäuren empfehlenswert. Eine hohe Eiweißqualität haben z.B. Gras, Milcheiweiß aus Magermilch (durch den hohen Milchzuckergehalt nur für Fohlen geeignet) und Sojaextraktions-Schrot. Leider analysieren z. Z. noch zu wenige Untersuchungseinrichtungen NDIXP standardmäßig, auch wird momentan dieser Wert von den Mischfutterwerken noch nicht angegeben.

Für die Fütterung von größerer Bedeutung sind die Aminosäuren Lysin, Methionin, Cystin und Threonin. Dies sind die wichtigsten essentiellen Aminosäuren, die dem Pferd über das Futter zugeführt werden müssen.

 

 

 

Heu kann den Erhaltungsbedarf an Eiweiß abdecken!

Gras - und in seiner getrockneten Form als Heu - ist ein durchaus eiweißreiches Futtermittel und kann bei geschickter Rationsgestaltung den Erhaltungsbedarf eines Pferdes an Eiweiß und essentiellen Aminosäuren weitgehend, häufig auch voll abdecken. Dieses soll mit den nachfolgenden Überlegungen gezeigt werden. Dazu wurden die nachfolgenden Futterrationen nach den neuen Bedarfswerten der GfE (2014) mit der Internet-Anwendung IFP-Pferdefütterung berechnet.

Allerdings hängt der Eiweißgehalt von Gras und Heu stark vom Ernte- oder Schnittzeitpunkt des Grases und den Erntebedingungen ab. Das wird mit der folgenden Tabelle veranschaulicht:

Tabelle 1: Nährstoffgehalte beim Wiesenheu in 1 kg Trockenmasse (TM)

Wiesenheu pcvXP [g] ME [MJ] pcvLysin [g]
im Ährenschieben 130 7,65 5,0
Beginn Blüte 101 7 4,2
Mitte Blüte 84,6 6,62 3,4
Ende der Blüte 42,3 6,06 1,4

pcvXP ist das im Dünndarm verdauliche Protein, ME ist die metabolische Energie, pcvLysin ist die im Dünndarm verdauliche Aminosäure Lysin.

Es ist deutlich zu erkennen, dass Heu nicht gleich Heu ist. Ein später Schnitt hat weniger Eiweiß als ein früherer Schnitt. Ein später, leider oft ein überständiger (zu später) Schnitt galt deshalb bisher als ein typisches „Pferdeheu“. Die panische Angst von Pferdebesitzern, ihre Pferde bloß nicht mit Eiweiß zu überfüttern, zwang die Landwirte bzw. Heuproduzenten, einen extrem späten Schnitt zu machen. Dieses spät gesschnittene Heu ist gut, um das Kaubedürfnis des Pferdes zu befriedigen, aber nicht gut, um es es ausreichend mit Aminosäuren zu versorgen!

Um die Eiweißqualität und damit auch die Aminosäuren in der Ration abzudecken, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein später Heuschnitt kann mit einem Früheren verschnitten werden, oder Luzerneheu kann dazu gefüttert (siehe Tab. 2) werden. Auch mit synthetischen Aminosäuren im Mineralfutter oder im Kraftfutter können Defizite gezielt ergänzt werden. Natürlich können auch hochwertige, eiweißreiche Futtermittel hinzu gefüttert werden, aber gutes, eiweißreiches Heu ist die billigste Eiweiß-Quelle.

Tabelle 2: Nährstoffgehalte von Luzerne-Heu in der TM

Luzerne-Heu pcvXP [g] ME [MJ] pcvLysin [g]
im Ährenschieben 158 6,27 6,5
Beginn Blüte 124 6,05 5,9
Mitte Blüte 84,6 6,62 3,4
Ende der Blüte 42,4 6,06 1,4

Zur Qualitätsverbesserung durch Verschneiden könnten je nach Heu- und Luzernequalität ca. 2 bis 3 kg Luzerne-Heu zu einem Gras-Heu aus spätem bzw. sehr spätem Schnitt verschnitten werden.

Beispielrechnungen:

In den nachfolgenden Tabellen wird gezeigt, inwieweit Heu von unterschiedlichen Schnittzeitpunkten sowohl pcvXP als auch das besonders wichtige pcvLysin abdeckt. Die genannte Heumenge stellt sicher, das der tägliche Energiebedarf für Erhaltung eines 600 kg Pferdes (63 MJ ME) mit den genannten Heumengen abgedeckt ist. Dargestellt ist auch, inwieweit dann auch gleichzeitig noch der Eiweißbedarf abgedeckt wird:

Heuschnitt Heumenge pcvXP pcvLysin
nach Schossen 8,15 kg gut abgedeckt gut abgedeckt
Mitte Blüte 10 kg abgedeckt abgedeckt
nach Schossen 12,5 kg abgedeckt Unterversorgung

Bei dem frühen Schnitt würde für die Erhaltung schon 8 kg Heu ausreichen, jedoch würde das Pferd zu wenig fressen und sein Kaubedürfnis unbefriedigt bleiben. Die Eiweiß und Lysinversorgung wäre allerdings ausreichend. Denzufolge wäre eine größere Heumenge (Faustzahl 1,5 kg TM/100 kg Lebendmasse) erforderlich. Hier könnte ein Verschnitt mit einem späteren Heuschnitt erwogen werden. Aber das hat Grenzen! Bei einem späten Schnitt reicht die Eiweißversorgung aus, nicht jedoch die Versorgung mit Lysin. Bei einem Pferd, welches im Sport eingesetzt wird, könnte es an Leistungsbereitschaft fehlen, bei einem Freizeitpferd würde man merken, dass die Muskulatur schwindet bzw. nicht genügend aufgebaut wird.

Einem befriedigten Kaubedürfnis soll mit folgende Tabelle nachgegangen werden. Deshalb wird eine fixe Heumenge von 10kg/Tag angenommen und es soll gezeigt werden, inwieweit es möglich ist, durch Heu verschiedener Schnittzeitpunkte den Energie und Eiweißbedarf abzudecken.

Heuschnitt ME pcvXP pcvLysin
nach Schossen Überversorung gut abgedeckt gut abgedeckt
Mitte Blüte Knapp versorgt abgedeckt abgedeckt
nach Schossen Unterversorgung abgedeckt Unterversorgung

Bei einem frühen Schnitt wird die Energie für Erhaltung bei weitem überschritten. Die Heumenge müsste vor allem bei leichtfuttrigen Pferden reduziert werden damit sie nicht verfetten. Hier wäre ein später Schnitt als Verschnitt-Partner angebracht. Bei einem späten Schnitt reicht die Energie für die Erhaltung nicht aus. Die restliche Energie kann über Kraftfutter, frühere Heuschnitte oder Gras- oder Luzernecobs abgedeckt werden.

Pferde, die hohe Leistungen erbringen müssen, können mit einem früheren Schnitt gefüttert werden. Damit kann ein Teil der Leistung über das Grobfutter abgedeckt und Kraftfutter eingespart werden. Dies hat den großen Vorteil, dass die Pferde genügend lange fressen und im Verdauungstrakt keine Übersäuerung der Verdauung durch Kraftfutter erfolgt. Da gerade die „Hochleistungssportler“ oft unter Magengeschwüren leiden, wäre dies eine sinnvolle, gesundheitlich vorbeugende Fütterung.

Fazit:

  1. Der Erhaltungsbedarf von Pferden hinsichtlich Energie und Eiweiß kann in Mischungen aus verschiedenen Heu-Schnitten (mit Grobfutter) weitgehend abgedeckt werden.
  2. Je früher der Schnitt desto weniger Grobfutter wird für die Erhaltung benötigt, es sind daher mehr Nährstoffe für die Leistung „frei“. Je geringer die Leistung des Pferdes, desto geringer kann die Energiedichte im Grobfutter sein, d.h. ein späterer Schnitt ist angebracht.
  3. Ein Mangel der wichtigsten Aminosäuren in einem Grobfutter kann durch ein Verschneiden mit einem früheren Schnitt, durch Zugabe von Gras-, Luzernecobs oder Kraftfutter, bzw. Mineralfutter mit Aminosäure-Zusätzen ausgeglichen werden.
  4. Für jedes Pferd sollte mit einer Rationsberechnung geprüft werden, inwieweit eine ausreichende Versorgung auch für alle anderen relevanten Nährstoffe sichergestellt ist. Es ist mit Hilfe unserer Rationsberechnungs-Software, leicht und schnell möglich, eine Ration zu überprüfen und entsprechend zu verfeinern. Diese Rationsberechnungs-Software ist über Ihren Browser im Internet erreichbar.
  5. Auf vielen Betrieben gibt es frühe und späte Schnitte, somit sollte ein Verschneiden von Heuschnitten in der Praxis kein größeres Problem sein. Es sollte schon bei der Einlagerung dieser verschiedenen Schnitte und Qualitäten darauf achten, jederzeit auf die verschiedenen Qualitäten leicht zugreifen zu können.

 

 

Der neue Mineralstoff-Bedarf

Auch bei den Mineralstoffen gibt es neue Forschungsergebnisse. Der Bedarf der Mengen- und Spurenelemente bezog sich bisher auf das Lebendgewicht des Pferdes, nun wird auch dieser Bedarf auf die metabolische Körpermasse bezogen.

Bei Calzium z.B. ging man bisher davon aus, dass ein 600 kg Pferd doppelt so viel benötigt wie ein 300 kg Pferd (Tab. 1). Werden die Werte auf metabolische Lebendmasse bezogen, so wird deutlich, dass ein leichteres Pferd im Verhältnis mehr benötigt.

Lebendmasse (LM) Calcium Bedarf alt Metabolische Körpergröße (MKG) Calcium Bedarf neu
300 kg Pferd 15 g Ca 72 kg 11,9 g Ca
600 kg Pferd 30 g Ca 121 kg 19,9 g Ca

Die Höhe der Verwertung ist neu festgelegt worden. Bei den Spurenelementen wurde der Bedarf früher über die Trockenmasseaufnahme berechnet, hier ging man davon aus, dass Pferde 2 % des Lebendgewichtes aufnehmen. Pferde fressen aber mit 2,5 bis 3,5 % weit mehr, laktierende Stuten bis zu 4 % des Lebendgewichtes.

Nach den neuen Empfehlungen bleibt das Verhältnis von Energiebedarf zu Ca-Bedarf gleich, was früher nicht der Fall war. Dies ist ein großer Vorteil für die Mischfutterindustrie, damit passt ein gleiches Mineralfutter oder Mischfutter für unterschiedliche Gewichtsklassen.

Der Bedarf - vor allem bei den Mengenelementen -war bisher bei weitem zu hoch eingeschätzt, vor allem bei Chlorid. Im Vergleich sehen Sie in der Tab. 2 die alten und neuen Bedarfswerte.

Tab. 2 Erhaltungsbedarf an Mengenelementen (in g/600 kg LM und Tag)

Element Alte Werte
GfE (1994)
Neue Werte:
Kienzle u. Burger 2010
Calcium 30 g 19,9 g
Phosphor 18 g 13,7 g
Magnesium 12 g 6,3 g
Natrium 12 g 3,2 g
Kalium 30 g 16,8 g
Chlorid 48 g 1,7 g

Bei einer guten Versorgung mit Grobfutter, z.B. mit Heu, werden die Reitpferde reichlich mit Ca und P versorgt. Je nach Heuqualität kann es zu Engpässen im Zink-, Kupfer- und Selenbereich kommen. Es lohnt sich diese Mineralstoffe im Grobfutter zu untersuchen um gezielt füttern zu können. Frau Prof. Kienzle untersuchte Grobfutter von gleichen Flächen über drei Jahre lang und stellte fest, dass sich die Gehalte nur geringfügig veränderten, d.h. für die Praxis: Es reicht in der Praxis aus, Futter von der gleichen Anbaufläche im Abstand von drei Jahren zu untersuchen.

Nach einer Rationsberechnung können die benötigten Spurenelemente Zink, Kupfer und Selen gezielt über ein Mineralfutter oder Mischfutter ausgeglichen werden. Die herkömmlichen Mineralfutter und Mischfutter enthalten aber häufig noch zu viel Calcium und Phosphor. Zur Zeit sind nur wenige Futtermittel-Anbieter bereit, ihre Mischungen entsprechend anzupassen. Die Gründe sind, dass einmal der Verbraucher „mehr“ verlangt und zum anderen, dass Kalk Gewicht bringt und sehr günstig ist. Wenn vorher 100 g Mineralfutter gefüttert wurden, dann sind dies nach den neuen Empfehlungen mit deutlich weniger Kalk nur noch 40 g. Ein dem neuen Calcium-Bedarf besser angepaßtes Mineralfutter wird demzufolge (pro kg) teurer sein, das bedeutet aber nicht, dass die Ration pro Tier und Tag teurer werden muss.

Bei Natrium, Chlor und Kalium - den Elektrolyten die durch Schweiß verloren gehen - sind die Bedarfswerte stark nach unten korrigiert worden. Der Schweißverlust wird nicht mehr wie bisher an den Energiebedarf gebunden. Studien haben ergeben, dass jedes Pferd individuell mehr oder weniger schwitzt, dies ist teils rassebedingt, hängt aber auch vom Trainingszustand, der Witterung, der Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Bodenbeschaffenheit ab. Gut trainierte Pferde schwitzen weniger. Eine gute mengenmäßige Einschätzung der Schweißbildung kann über den 'Schweißscore' vorgenommen werden.

Die sogenannten Elektrolyte Natrium und Chlor sollten zur freien Verfügung über einen Salzleckstein zugeführt werden. Eine bedarfsgerechte Aufnahmemenge wird vom Pferd selbst hinreichend genau gesteuert. Auf keinen Fall solle man Salz aktiv in die Krippe geben und damit die natürliche Aufnahmesteuerung des Pferdes aushebeln.

Noch ein Hinweis zum Mineralleckstein: Man sollte keinen Mineralleckstein anbieten, da Pferde nur nach dem Salz-Bedarf davon aufnehmen. Häufig werden aber Minerallecksteine mit Melasse angereichert und damit ist die Aufnahmesteuerung gestört. Es wird vom Pferd mehr als benötigt aufgenommen und es kommt in der Praxis häufig zu einer Unter- oder aber zu einer Überversorgung bei anderen Mineralien. Die Versorgung mit Ca, P, Mg und Spurenelementen sollte über ein Mineralfutter oder Mischfutter gezielt erfolgen und nicht dem Zufall überlassen werden.

Kalium ist bei üblicher Rationsgestaltung in der Regel reichlich vorhanden und muss nicht ergänzt werden.

 

 

 

Was bedeuten diese neuen Erkenntnisse für die praktische Pferdefütterung?

Der Nährstoffbedarf eines Pferdes setzt sich zusammen aus dem Erhaltungs- und dem Leistungsbedarf. Der Erhaltungsbedarf (Tab. 1) gibt an, wie viele Nährstoffe ein Pferd benötigt, das keine Leistung vollbringt und weder ab- noch zunimmt.

Tab. 1 Der Erhaltungsbedarf richtet sich nach dem Gewicht des Pferdes

LM [kg] pcvXP [g] ME [MJ)] Ca [g] P [g]
400 268 48 14 10
600 364 63 19 13
800 451 81 24 17

(pcvXP = dünndarmverdauliches Rohprotein  ME = metabolische Energie angegeben in Megajoule)

Tab. 2 Gesamtbedarf für ein 600 kg Pferd bei unterschiedlichen Leistungen

Leistung pcvXP [g] ME [MJ)] Ca [g] P [g]
Erhaltung 364 63 19 13
leichte Arbeit 473 82 19 13
mittlere Arbeit 519 90 19 13
schwere Arbeit 577 100 19 13

Kennt man den Nährstoffbedarf seines Pferdes, so kommt es nun darauf an, aus verschiedenen Futtermitteln eine Ration zusammenzustellen, die alle Nährstoffe in der benötigten Menge enthält.

Um das natürliche Fressverhalten der Pferde zu ermöglichen, sollten die Pferde 12 Stunden fressen, dies ist bei einem späten Heuschnitt meistens möglich, bei einem früheren Schnitt muss weniger gefüttert werden damit die Pferde nicht verfetten. Dann wird oft zu wenig Grobfutter gegeben, dies ist negativ für das Verhalten des Pferdes und für die Darmflora. Sind 12 Std. Fresszeit nicht möglich, so sollte zumindest der Bedarf für die Erhaltung über das Grobfutter abgedeckt werden (siehe vorherige Kapitel, in denen auf die Grobfuttermengen eingegangen wurde). Zum Grobfutter zählen hierbei Heu und Heulage, das Stroh wird in den meisten Fällen aus der Einstreu gefressen.

Entscheidend für den Futterwert von Heu sind die botanische Zusammensetzung und der Schnittzeitpunkt. In der Futterwerttabelle wird unterschieden zwischen Wiesenheu und Luzerneheu. Das Wiesenheu ist eine Mischung aus Gräsern, Klee und Kräutern (Tab.3).

Tab.3      Nährstoffgehalt verschiedener Heuarten in der TM

Futtermittel pcvXP[g] ME [MJ] pcvLysin[g] Ca [g] P [g]
Luzerne Heu vor Blüte 158 6,27 6,5 15,5 2,7
Luzerne Heu Beginn Blüte 124 6,05 5,9 15,5 2,7
Heu Beginn Blüte 131 9,8 4,4 4 2,3
Heu Mitte Blüte 84,6 6,62 2,4 5 2,4
Heu Ende Blüte 42,3 6,06 1,4 4,5 2,3

Die Mineralstoffwerte schwanken stark je nach botanischer Zusammensetzung. Reine Gräser haben niedrige Ca-Werte, Luzerne, Klee und Kräuter haben hohe Ca-Werte, P liegt zwischen 2 und 3 g. Gehen wir von einem Durchschnittswert bei Ca von 5 g und bei P von 2,4 g aus, so sind bei ausreichender Grobfutter Fütterung Ca und P abgedeckt.

Bisher wenig berücksichtigt wurden die Aminosäuren, diese spielen aber nach neusten Erkenntnissen eine große Rolle. Besonders reich an Aminosäuren ist die Luzerne, im Wiesenheu nimmt der Gehalt ab je später geschnitten wird.

Für jedes Heu gilt der Grundsatz, je später geschnitten, desto mehr Rohfaser, weniger Eiweiß und Aminosäuren und weniger Energie!

Bei Grassilage gelten die gleichen Kriterien, es kommt jedoch noch als weiterer Faktor der Trockensubstanzgehalt hinzu. Je mehr Feuchtigkeit desto geringer der Nährwert.

 

 

 

Das Kraftfutter

Das Kraftfutter ist energiereicher als das Grobfutter. Mit kleineren Futtermengen kann ein höherer Bedarf gedeckt werden. Gleichzeitig darf das Futter aber nicht zu eiweißreich sein, damit der Stoffwechsel nicht unnötig belastet wird. Beim Abbau von überschüssigem Eiweiß wird vermehrt Harnstoff gebildet, der in der Leber entgiftet werden muss. Dafür wird  relativ viel Energie benötigt, die dann dem Pferd nicht mehr für die Leistung zur Verfügung steht. Außerdem führt eine Eiweiß-Überversorgung beim Pferd häufig zu dicken Beinen. Zur Ergänzung einer Grundration z.B. aus Heu oder Heulage und Stroh sind energiereiche Futtermittel, wie z.B. Hafer, Gerste, Mischfutter, Mais, Trockenschnitzel und Öl geeignet.

Tab. 5 Energie- und Eiweißgehalt verschiedener Futtermittel in der TM

Kraftfutter pcvXP [g] ME [MJ] pcvLys [g]
Hafer 103 12,6 3,3
Gerste 81,9 13,1 2,5
Mais 169 14 2,3
Öl - 39,4 -

Bedeutung der Bedarfsprognose und Rationsberechnung

Um den in den obigen Tabellen exemplarisch dargestellten Bedarf nach einzelnen Nährstoffen für ein bestimmtes, existierendes Pferd zu bestimmen wird die Nutzung eines Fütterungsprogrammes empfohlen, das den Bedarf nach der aktuellen Bedarfsprognose der GfE von 2014 ermittelt. Dieses repräsentiert den aktuellen Stand der Wissenschaft über die Zusammenhänge in der Physiologie und Ernährung der Pferde. Grundsätzlich ist es auch vorzuziehen, wenn individuelle Leistungsdaten eines Pferdes zur Bedarfsbestimmung eingesetzt werden können. So sollte beispielsweise das tatsächliche Leistungsprofil eines Pferdes über die tatsächliche Dauer und Arten der Leistung angemessen berücksichtigt werden. Grundlage dafür ist auch die verbesserte Kenntnis der Inhaltsstoffe der verwendeten Futtermittel, insbesondere der wirtschaftseigenen oder regional zugekauften Grobfuttermittel.

In der Praxis der Freizeitpferde werden gerade im Zusammenwirken von Erhaltungs- und Leistungsbedarf grobe Einschätzungen beobachtet - häufig wird der tatsächliche Bedarf von Erhaltung und Leistung intuitiv überschätzt. Verfettung und Gesundheitsprobleme sind die häufige Folge unreflektierter Fütterung. Auch die in diesem Artikel dargestellten "Rationen" sind nur beschreibend und als den Zusammenhang erklärend zu verstehen. Sie bedürfen einer weiteren Anpassung und Überprüfung an eine konkrete Bedarfssituation.

Andererseits wirken sich bei Sportpferden gerade im gehobenen und höheren Leistungsbereich eine Mangelversorgung z.B. bei bestimmten Aminosäuren oder Mineralien leistungsbegrenzend aus, ohne das dieses den Betreuern wirklich bewusst sein muss. Eine kritische Spiegelung der angewendeten Futterration gegen eine Bedarfsprognose nach dem letzten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse mit allen tatsächlichen, mengenmäßig richtigen Leistungskomponenten schafft Klarheit und sensibilisiert für gezielte Interventionen und deren Wirkungen auf mögliche Leistungsbegrenzer.

 

 

 

Wie geht man bei einer Rationsberechnung konkret vor?

Es empfiehlt sich bei der Gestaltung der Ration zuerst den Energiegehalt zu betrachten. Wählen Sie zunächst die in Ihrem Betrieb / Stall vorhandenen Grobfuttermittel aus. Energiereiche Futtermittel wie z.B. Getreide werden dann ausgewählt und mengenmäßig so festgelegt, dass der Bedarfswert für Energie erreicht aber auch nicht weit überschritten wird. Nur bei gut angepaßtem Energiegehalt können die anderen Inhaltsstoffe leichter richtig eingeschätzt werden. Danach werden die anderen Inhaltsstoffe betrachtet und wenn nötig durch Auswahl eines anderen Futtermittels oder anderer Mengen korrigiert.

Beginnen Sie immer mit dem Grobfutter in ausreichender Menge (siehe Faustzahlen), gleichen Sie dann erst mit dem Kraftfutter aus und ergänzen zum Schluss eventuell mit einem passenden Mineralfutter.

Beispielration für ein 600 kg Pferd

  mittlere Arbeit leichte Arbeit Erhaltung
Heu Mittel Blüte 9 kg 9 kg 10 kg
Hafer 2 kg 1 kg -
Öl 0,1 kg 0,1 kg -
Mineralfutter 0,03 kg 0,03 kg 0,03 kg
Vitaminzusatz 0,02 kg 0,02 kg -

In diesen Rationen liegt die Fresszeit unter 12 Stunden, mehr Heu wäre angebracht. Exakte, bedarfsgerechte Rationen können nur erstellt werden, wenn von den einzelnen Futtermitteln genaue chemische Analysen vorliegen.

Es gibt aber die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten in der Rationsgestaltung. Dies sind nur Beispiele, die weiter variiert werden können und optimiert werden sollten.

Heubetonte Rationen für ein 600 kg Pferd

  mittlere Arbeit leichte Arbeit Erhaltung
Heu Mittel Blüte: 14 kg 14 kg 10 kg
Hafer 0,5 kg - -
Mineralfutter 0,03 kg 0,03 kg 0,03 kg
Vitaminzusatz 0,02 kg 0,01 kg -

Bei dieser Rationsgestaltung müssen die Pferde lange genug fressen. Dies wirkt sich positiv auf die Darmflora und auf das Verhalten der Pferde aus.

Heu später Schnitt in Kombination mit Luzerneheu oder Cobs

  mittlere Arbeit leichte Arbeit Erhaltung
Heu Mittel Blüte 8 kg 8 kg 8 kg
Luzerneheu 2 kg 2 kg 2 kg
Hafer 2 kg 1 kg -
Öl 0,1 kg 0,1 kg -
Mineralfutter 0,03 kg 0,03 kg 0,03 kg
Vitaminzusatz 0,02 kg 0,01 kg -

In allen Fällen einen Salzleckstein und wenn möglich Stroh anbieten. Bei einem späten Heuschnitt muss zur ausreichenden Versorgung mit Aminosäuren ein Teil der Heumenge durch einen frühen Schnitt oder Luzerneheu ersetzt werden.

Grundsatz: möglichst viel spät geschnittenes Heu, nicht überständig, um das Fressverhalten der Pferde zu befriedigen und mit früheren Schnitten, Luzerne oder Gras-, Luzernecobs die Aminosäuren ausreichend abdecken, damit kann etliches Kraftfutter eingespart werden.

Bei den Mischfuttermitteln, beim Mineralfutter und den Vitaminzusätzen gibt es sehr große Unterschiede hinsichtlich der Inhaltsstoffe. Die in diesen Beispielen angegebenen Mengen sind daher nur beispielhaft gültig. Bei der Auswahl des Misch- oder Mineralfutters sollten Sie darauf achten, dass Calcium und Phosphor nicht oder nur in kleinen Mengen zugesetzt sind. Die Versorgung über das Grobfutter reicht häufig schon aus.

Der Vitaminzusatz sollte vor allem hinsichtlich einer Vitamin E Unterversorgung erwogen werden, die bei höherer Leistung fast immer auftritt. Allerdings ist Vitamin E auch in frischem Gras ausreichend vorhanden, bei Weidegang kann daher auf die Zufütterung verzichtet werden.